Logo Eine Kampagne der KJG für mehr Toleranz

Dokumentation

Backstage

1. Eine Kampagne entwickelt sich

Das Gefühl etwas entgegensetzen zu müssen.
Der Wunsch nach einer toleranteren Gesellschaft.
Die Hoffnung auf eine nachhaltige Kampagne.

"enjoy the difference", diesen Titel sollte die Anfang 2001 entwickelte Kampagne des KJG Bundesverbandes tragen. Der stärker werdene Rechtsextremismus, in Form von Aufmärschen, fremdenfeindlichen Übergriffen, rassistischem Gedankengut im Internet, etc. erweckt immer wieder das Bedürfnis, sich bewusst für Toleranz und gegen Diskriminierung einzusetzen. Insbesondere ist es "für uns als ChristInnen unvorstellbar, Menschen nach Herkunft, Aussehen, Rasse, Besitz und anderen äußeren Kriterien einzuteilen" (P. Dörrenbächer, ehemaliger Geistlicher Leiter des KJG Bundesverbandes). Deshalb besitzt die KJG gerade als katholischer Jugendverband eine besondere Verpflichtung, aufkeimenden Vorurteilen entgegenzuwirken.

Das gesetzte Ziel der Kampagne lautete: Rechten Strömungen ein positives, lebendiges Bild einer toleranten Gesellschaft entgegenzusetzen.

Für jedes einzelne Mitglied der KJG bedeutet das:

  • KJGlerInnen sind neugierig auf Fremde und freuen sich auf Begegnungen mit ihnen.
  • KJGlerInnen suchen initiativ Kontakt zu Fremden und erzählen ihnen gerne von sich und ihrem Leben.
  • KJGlerInnen erkennen Benachteiligung von Fremden und fordern aktiv deren Überwindung.
  • KJGlerInnen erfahren, dass viele andere in der KJG auch offen sind für Fremde und, dass man gemeinsam etwas bewegen kann.
  • KJGlerInnen setzen ein Zeichen und gewinnen auch Nicht-KJGlerInnen für tolerante Einstellungen.

Um dieses Ziel zu erreichen, war es notwendig MultiplikatorInnen zu gewinnen, die sich dafür einsetzten, dass die Kampagne alle Ebenen des Verbandes von der Diö-zesanebene bis hin zur Ortsebene erreichen konnte.

Anfang Februar 2001 wurde den Diözesanleitungen die Konzeption der Kampagne vorgestellt, wozu es durchweg positive Rückmeldungen zu vermelden gab. Insbe-sondere wurde das vorgeschlagene Thema als aktuell und wichtig erachtet.

In Folge dessen fand nun eine inhaltliche Auseinandersetzung der Gremien mit den Themen Fremdenfeindlichkeit, Asyl, AusländerInnen in Deutschland und multikulturelle Gesellschaft statt. Im April wurden dann politische Forderungen verabschiedet, die innerhalb einer Postkartenaktion ihre Verbreitung finden sollten.

Das Fundament war gelegt.

2. Toleranz

Ein Begriff, für den es sich lohnt aktiv zu werden!

Der Griff zum Nachschlagewerk:

"Toleranz (lateinisch: Duldung) meint das Gelten- und Gewährenlassen, besser noch die Achtung andersartiger Anschauungen und Handlungsweisen [...]. Sie setzt voraus, dass man feste Überzeugungen hat und trotzdem die anderen respektiert [...]. Toleranz ermöglicht ein von Freiheit und Humanität bestimmtes Zusammenleben. Sie endet dort, wo es um die Missachtung der Rechte anderer geht. Toleranz vollendet sich im lebendigen Interesse an der Lebens- und Kulturform anderer und ist dann eine säkularisierte und zurückhaltende Weise von (Nächsten)Liebe. (O. Höffe, Lexikon der Ethik, München 1992)

Worte unseres Schutzpatrons von 1516:

MP3, 3,3 Mb
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"Er [Utopus] hatte nicht die Vermessenheit, über die Religion irgend etwas endgültig zu bestimmen, da es ihm nicht sicher war, ob Gott vielleicht selber eine mannigfache und vielfältige Art der Verehrung wünsche und daher dem einen diese, dem anderen jene Eingebung schenke. Jedenfalls hielt er es für anmaßend und unsinnig, wenn einer mit Gewalt und Drohungen verlangte, dass seine Ansicht über die Wahrheit auch allen anderen einleuchten müsse. Wenn aber wirklich ein Glaube die meiste Wahrheit besitzt und alle anderen nichtig sind, so meint doch Utopus, es sei leicht vorauszusehen, dass die Macht der Wahrheit sich von selber dereinst einmal durchsetzen und offenbar werden müsste, wenn ihre Sache nur mit Vernunft und Mäßigung betrieben würde [...]. Daher hat er die ganze Frage unentschieden gelassen und jedem einzelnen überlassen, welchen Glauben er für richtig halten will."
(Thomas Morus, "Utopia", Reclam 2001)

Die Toleranz und ICH - Ein Blick auf das eigene Selbst

Nur wenn die eigenen Grenzen und Ängste offen betrachtet werden, können Fragen formuliert werden, die in ihrer Beantwortung Vorurteile im Dialog abbauen helfen. Darum ist es wichtig, ehrlich mit sich selbst zu sein, um einen Weg zur gelebten Toleranz mit zu ebnen.

Fragen zur Überprüfung des eigenen Standpunktes:

  • Wo beginnt für mich das Fremde?
  • Wann ertappe ich mich bei meiner eigenen Intoleranz?
  • Toleranz - gelebte Wirklichkeit in der Gruppenstunde?
  • ...

Vielleicht fragt jede und jeder Einzelne auch einmal ihre und seine Freundinnen und Freunde, die eigenen Eltern oder Großeltern, was der Begriff Toleranz für sie beinhaltet und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben.

Ein Blick in die "Grundlagen und Ziele" der KJG:

"[...] Mit ihrem Engagement steht die KJG ein, für eine demokratische, gleichberechtigte und solidarische Gesellschaft und Kirche. Sie wendet sich gegen jede Art der Ausgrenzung und Unterdrückung von Menschen und gegen die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage.
Die KJG setzt sich ein für eine Politik, die sich orientiert an der weltweiten Verwirklichung gleicher und gerechter Lebensbedingungen für alle Mädchen und Jungen, Frauen und Männer [...]".