Logo Eine Kampagne der KJG für mehr Toleranz

Dokumentation

Kampagnenabschluss in Berlin

Vom 1. bis 3. Februar 2002 fand in Berlin der politische und kulturelle Abschluß der Kampagne mit rund 70 TeilnehmerInnen statt. Neben KJGlerInnen waren die Gäste der Muslimischen Jugend Deutschland (MJD) und des Bundesverbandes jüdischer Studenten in Deutschland (BJSD) der Einladung der Bundesleitung gefolgt. Zusammen gestalteten sie das gelungene Finale der Kampagne der KJG für mehr Toleranz.

Peter Haupt

ie Tagung begann am Freitagabend mit einem Festakt. Nach einer Präsentation der Aktionen und Veranstaltungen durch den Kampagnenmitarbeiter Stefan Lutz-Simon, übergab die KJG Bundesleiterin Steffi Dittrich die Aktionspostkarten mit den politischen Forderungen dem Vertreter der Bundesregierung, Herrn Peter Haupt, Staatssekretär im Bundesjugendministerium. Nachdem Peter Haupt selbst noch eine Kampagnen-Postkarte hinzugefügt hatte, versprach er, den Forderungskatalog an das Bundesinnenministerium und den Bundestagsausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend weiterzuleiten.

Anschließend hielt Cem Özdemir, innenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, eine Laudatio auf die KJG Kampagne. Er skizzierte den Stand der KJG Forderungen in der aktuellen politischen Diskussion und betonte die wichtige Rolle der Kirche auf dem Weg zu einer toleranten und integrativen Gesellschaft. Hier müsse die KJG als "Hefe im Teig der Amtskirche" eine Vorreiterfunktion wahrnehmen.

Cem Özedmir
Cem Özedmir

Den Samstag über verteilten sich die TeilnehmerInnen zweimal auf mehrere thematische Stadtführungen, vormittags mit den Schwerpunkten "Mauer", "DDR" und "Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus", nachmittags zum Besuch des jüdischen Museums, des Reichtags oder Check-Point-Charlie, einer Berliner Moschee oder des Scheunenviertels. Dazwischen wurde mit Kardinal Sterzinsky mit einem Gottesdienst in der St. Hedwigskathedrale der Abschluss der Kampagne spirituell, am Abend dann mit einer zünftigen Kampagnenfete ausgiebig tanzend gefeiert. Eine Besonderheit der gesamten Tagung war im Übrigen, dass mit Respekt vor der multikulturellen Mischung der TeilnehmerInnen stets auf vegetarisches Essen sowie alkoholfreie Zonen geachtet wurde. So eingestimmt ging es sonntags ins Schöneberger Rathaus zum multireligiösen Forum. Junge Christen, Juden und Muslime im Dialog über die Religionen - das war der Höhepunkt der Abschlussveranstaltung zu "enjoy the difference". Beim multireligiösen Forum im Rathaus Schöneberg diskutierten KJGlerInnen mit VertreterInnen des Bundesverbandes Jüdischer Studenten in Deutschland (BJSD) und der Muslimischen Jugend Deutschlands (MJD) über die Bedeutung des Glaubens für ihren Alltag sowie über Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der drei Weltreligionen. Themen der intensiven Diskussionen waren der Lebensalltag, die Jugendarbeit, das Verhältnis der Geschlechter, die Sakramente und Symbole sowie die einzelnen Feste. Auf dem anschließenden Plenum wurden dann die Ergebnisse der Kleingruppen zusammengetragen. Vor allem die Aufgeschlossenheit der TeilnehmerInnen und das ernsthafte Interesse an dem Glauben der Anderen hat die Jugendlichen beeindruckt. Als wichtigstes Ergebnis des Forums kann die gemeinsame Erklärung der Bundesvorstände der drei Jugendverbände gelten. "Alle drei Organisationen sehen das friedvolle Zusammenleben verschiedener Religionen als unverzichtbaren Teil einer freien und toleranten Gesellschaft", heißt es dort. "Uns ist wichtig zu zeigen, dass wir in Austausch mit den anderen monotheistischen Religionen treten", sagte Victoria Dolburd vom BJSD. "Ich verspreche mir davon, dass Ansätze geschaffen werden, um Vorurteile abzubauen." Und Khallad Swaid, Vorsitzender der MJD, sagte: "Dieser Austausch ist ein wichtiger Punkt, um gemeinsam Zukunft aufzubauen. In einer Gesellschaft, in der verbindliche Werte scheinbar an Bedeutung verlieren, spielen die Religionen eine besondere Rolle, denn sie sind der Ursprung der Werte."

Gemeinsame Erklärung von BJSD, KJG und MJD:

Die Bundesleitung der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG), der Bundesvorstand der Muslimischen Jugend in Deutschland (MJD) und der Bundesvorstand des Bundesverbandes Jüdischer Studenten in Deutschland (BJSD) haben sich auf ihrer gemeinsamen Tagung in Berlin vom 1. bis 3. Februar 2002 auf folgende Erklärung verständigt:

Alle drei Organisationen sehen das friedvolle Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen in Deutschland als unverzichtbaren Teil einer freien und toleranten Gesellschaft. Geprägt von gegenseitigem Respekt und Interesse bewerten die drei Vorstände das Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen auf dem gemeinsamen Fundament der Menschenrechte als Bereicherung für das Leben in Deutschland.

Beeinflusst von den Ereignissen der letzten Monate hat für alle drei Verbände der bewusste Umgang mit den Glaubenden verschiedener Religionen in Deutschland eine neue, größere Bedeutung erreicht. Es wird entschieden verurteilt, dass aufgrund von Glauben und Religion Gräueltaten begangen werden. Für alle drei Verbände ist ein Zusammenleben verschiedener Religionen in Frieden möglich, wünschenswert und anzustreben.

Allen Strömungen in dieser Gesellschaft, die das Zusammenleben verschiedener Religionen als Belastung oder Gefahr verstehen, wird eine klare Absage erteilt.

Alle drei Verbände verpflichten sich, den multireligiösen Dialog auf allen verbandlichen Ebenen zu forcieren und zu unterstützen.

TeilnehmerInnenstimmen aus Berlin:

"Die Abschlussdiskussion auf dem multireligiösen Forum hat gezeigt, dass es noch viele Konflikte zwischen den Religionen gibt. [...] Die Tagung kann nur der erste Schritt einer Auseinandersetzung sein, die Vorurteile abbaut und zur Aufklärung beiträgt."

"Ich fand vor allem wichtig, das wir gegenüber Politikern klar Position für Toleranz und Fremdenfreundlichkeit bezogen haben - gerade jetzt, wo überall von Terror, Vergeltung und Rache die Rede ist."

"Meiner Meinung nach ist es bereichernd, sich über unterschiedliche, fundierte Meinungen auszutauschen und diese zu diskutieren. [...] Politische Inhalte konnten auch an Leute vermittelt werden, die wenig mit Politik zu tun haben. Ich bin allerdings skeptisch, wie viel von "enjoy" in der Zukunft bleiben wird."

"Langfristige Erfolge kann ich noch nicht abschätzen, es ist aber wichtig, dass es jetzt nicht bei Worten bleibt. Unsere Visionen müssen zu Taten werden."

"Mit der Kampagne hat die KJG gezeigt, dass sie nicht einverstanden ist mit dem, was in der Gesellschaft los ist. Es ist gut, dass wir etwas unternehmen für mehr Toleranz."

Stimmen aus Kirche und Politik:

Kardinal Sterzinsky:

"Mit der Verkündungsaufgabe ist auch eine Erziehungsaufgabe verbunden. Die Kirche kann und muss dazu beitragen, dass ein Verständnis von Toleranz entsteht, die menschliches Zusammenleben erst möglich macht. ... In den Jugendverbänden gibt es wichtige Persönlichkeiten, Männer und Frauen, die schon eigene Standpunkte haben. Sie bestimmen unsere Zukunft und sind die Hoffnungsträger, auch im Dialog. Der Dialog hat erst begonnen, daher ist die Jugend wichtig."

Cem Özdemir:

"Wenn man die Unterschiede zwischen meinen Kollegen im Bundestag sieht - den Bayern und den Rheinländern beispielsweise - muss man sich fragen: Was ist eigentlich typisch deutsch? Den Türken gibt es genau so wenig wie den Deutschen oder auch den Christen oder den Muslimen. Kultur gibt es nicht nur im Singular. [...] Herkunft und Religion dürfen keine Rolle mehr spielen für die Qualifikation eines Menschen. [...] Die KJG Kampagne geht in die richtige Richtung, hin zu einer offenen Gesellschaft. Zum Aufbau dieser Gesellschaft ist sie ein Mosaikstein."

Pressestimmen

Junge Christen, Juden und Muslime für mehr Toleranz

"[...]. Die drei Organisationen [MJD,BJSD,KJG] sehen das friedvolle Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen in Deutschland als "unverzichtbarer Teil einer freien und toleranten Gesellschaft" und als Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens, heißt es in der Erklärung. Beeinflusst von den Ereignissen der letzten Monate haben für alle drei Verbände der bewusste Umgang mit den Glaubenden verschiedener Religionen eine größere Bedeutung erlangt. Die Jugendverbände verurteilen, "dass wegen Glauben und Religion Gräueltaten begangen werden". Ein Zusammenleben verschiedener Religionen in Frieden sei "möglich, wünschenswert und anzustreben".

(KNA - 1309)

Friedvolles Zusammenleben unverzichtbar

"Junge Christen, Juden und Muslime in Deutschland wollen sich stärker als bisher gemeinsam für mehr Toleranz und den Dialog zwischen den Religionen einsetzen. "Allen Strömungen in dieser Gesellschaft, die das Zusammenleben verschiedener Religionen als Belastung oder Gefahr verstehen, wird eine klare Absage erteilt", heißt es in einer am Sonntag in Berlin verabschiedeten gemeinsamen Erklärung [...]."
(Bistumszeitung, "Sonntagsblatt" vom 10.2.2002)

Katholische Jugend: Für Einwanderung

"[...] Gaby Hagmans (Bundesvorsitzende des deutschen Bundesjugendrings und des Bundes der Katholischen Jugend) beklagt "zu viel Abschottung der beiden großen christlichen Kirchen" - gerade im interreligiösen Dialog. Die Kern-Forderungen der KJG: "Kinder unter 18 Jahren dürfen nicht durch Abschiebung oder verhinderten Familiennachzug von ihren Eltern getrennt werden." Und: Die Kirche soll ihren politischen Einfluss geltend machen, um die Situation ausländischer Menschen in Deutschland zu verbessern.[...]."
(Rheinische Post vom 4.2.2002)

Weitere Impressionen von der Abschlußtagung der Kampagne in Berlin:

BerlinBerlin
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