Logo Eine Kampagne der KJG für mehr Toleranz

Dokumentation

4. Station - Düsseldorf

Düsseldorf
Düsseldorf

Samstag 26. Januar 2002 um 7.30 Uhr...

auf dem Marktplatz in Düsseldorf. Eine Handvoll Menschen läuft hin und her. Transparente werden entrollt, Kaffeemaschinen aufgestellt: aber, der Strom fehlt noch. Eine Reihe DiözesanleiterInnen und zwei Zivis stehen um einen Haufen weißer Metallstangen. Daraus sollen zwei Pavillons werden. Zwei Stunden später sieht alles ganz anders aus: Die Pavillons stehen, der Kaffee ist fertig; überall auf dem Platz sind die blauen "enjoy the difference" Plakate der Kampagne sind angebracht. Das große KJGedenkmal mit den Texten einzelnen Jugendlicher ist zwischen zwei Fahnenmasten ausgespannt und selbst die ersten Probeläufe für die Musik haben geklappt: es ist laut, wir werden gehört. Es kann also losgehen.

Oder doch noch nicht? Der Geist aus Münster sitzt in der Bahn fest. Und das dauert. Aber er hat den Gottesdienst mit Vorbereitet, der unsere Kampagne in Düsseldorf eröffnen soll. Ach ja, es geht um die Kampagne "enjoy the difference": KJG-ler aus Aachen (www.kjg-aachen.de), Münster (www.kjg-muenster.de), Osnabrück (www.osnabrueck.kjg.org) und Köln (www.kjg-koeln.de) treffen sich um miteinander die politischen Forderungen der Kampagne für Toleranz zu diskutieren. Mitdiskutieren sollen auch Vertreter der politischen Parteien in NRW. Aber zur ersten Talkrunde sind gegen 11 Uhr nur zwei Politiker gekommen. Aber es werden immer mehr. Bei der dritten Runde sind dann alle vier Parteien vertreten. Jugendpolitik und Ausländerpolitik bestimmen die Diskussionen an diesem Tag. Viele DüsseldorferInnen werden durch die Musik angezogen, die zwischen den Talkrunden von jungen Bands vom Niederrhein gemacht wird.

Immer wieder lesen Passanten die Plakate mit den Forderungen und eine ganze Reihe von ihnen unterschreibt auch die Postkarten die in Berlin an die Bundesregierung übergeben werden sollen. "Gemeinsam für eine bunte und offene Gesellschaft" heißt die Überschrift, unter der sich Forderungen wie die Beibehaltung des Asylrechtes, die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention und viele Forderungen die im Zusammenhang mit der Ausländerpolitik stehen finden. So wurde es auf der Veranstaltung thematisch sehr bunt. Aber nicht nur thematisch. Auf einem langen weißen Stoff konnte jeder der Anwesenden durch seinen Handabdruck ein Zeichen setzen. Ein buntes Zeichen gegen eine graue Gesellschaft. Bunt ging es am späten Nachmittag auch im Haus der Jugend in Düsseldorf weiter. Aufwärmen war angesagt: mit Suppe aber vor allem auch mit einer hysterischen Party. KJG mischt sich ein und bewegt.

Grußwort des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen

Gern habe ich die Schirmherrschaft über die Kampagne "enjoy the difference" der Katholischen Jungen Gemeinde übernommen und grüße die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Aktionstages auf diesem Wege sehr herzlich. Ich danke allen, die diesen Tag vorbereitet haben, und möchte Sie ermuntern und ermutigen, im Alltag jederzeit für eine tolerante und friedliche Gesellschaft einzutreten.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, hat bei der Verleihung des Friedensnobelpreises gesagt: "Wenn wir heute, nach dem Horror des 11. Septembers, besser sehen und weiter sehen, werden wir merken, dass Menschlichkeit unteilbar ist." Deshalb müssen wir weiter konsequent und ohne Furcht für ein friedliches Miteinander arbeiten und dafür werden.

Wir alle tragen Verantwortung für eine zivile, faire und friedliche Entwicklung in unserem Land ebenso wie in der großen Weltfamilie. Menschen aus mehr als 100 Kulturen und Nationen leben bei uns in Nordrhein-Westfalen miteinander, ganz überwiegend friedlich und gut nachbarschaftlich. Weltoffenheit und Toleranz sind Markenzeichen unseres Landes. Ich möchte gern, dass dies so bleibt, dass Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass bei uns keinen Platz finden.

Ich wünsche Ihnen für Ihre Kampagne und den Aktionstag im Interesse von uns allen viel Erfolg.

Herzlich
Ihr Wolfgang Clement
Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen

Düsseldorf
Düsseldorf

Pressestimmen:

Spontane Aktion gegen Rechts

"[...] Organisiert wurde der Tag von den Diözesanverbänden aus Nordrhein-Westfalen. "Die Aktion ist vor allem für Leute gedacht, die spontan unsere Kampagne unterstützen möchten", erklärte Anselm Thissen vom Diözesanverband Münster. [...] In drei Talkrunden stellten sich Landespolitiker den Fragen von Martin Menzel, Grundsatzreferent der KJG, und denen des Publikums. Einige der etwa 70 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit zur Nachfrage. "Die Antworten sind leider wenig konkret", meinte Thomas Beßler. Auch Rene van Schagen von der Band KiB hatte sich mehr erhofft. "Sie haben viel Werbung für die eigene Partei gemacht."
(Rheinische Post vom 28.1.2002)

Mehr Toleranz: enjoy the difference!

"[...] In drei Talkrunden mit LandespolitikerInnen der im Landtag vertretenen Parteien wurden die politischen Forderungen der Kampagne erörtert. Christian Zeelen, ein Radiomoderator eines lokalen Düsseldorfer Senders führte durch das Programm. Die erste Runde beschäftigte sich unter dem Titel der Innenpolitik mit Themen wie doppelter Staatsbürgerschaft, aktives und passives Wahlrecht für AusländerInnen und der Gewährung von Kirchenasyl. Es entwickelte sich eine sehr harmonische Runde - die Vertreter der CDU und der FDP hatten im Vorfeld abgesagt bzw. erschienen nicht. Monika Düker von den Grünen und Bernhard von Grünberg von der SPD waren im Allgemeinen der KJG Meinung. Wobei von Grünberg mit der Forderung überraschte, AusländerInnen das Wahlrecht nicht nur auf kommunaler, sondern auch auf Bundesebene einzuräumen.

Die zweite Talkrunde drehte sich um die kinder- und jugendpolitischen Aspekte der Kampagne. Der Kreis der PolitikerInnen wurde um Thomas Mahlberg, CDU, und Dr. Robert Orth, FDP, erweitert. [...] Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit kon-troversen Meinungen, in die sich die KJGlerInnen als ExpertInnen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendpolitik oft sachkundig, kritisch und entlarvend einschalten konnten. [...]

Im letzten Teil der Diskussion um die Inhalte der Kampagne setzten sich Thomas Kufen, CDU, Vera Dedanwala, SPD, Jamal Karsli, Grüne, und Dr. Ute Dreckmann, FDP, mit KJG-Forderungen nach einer Legalisierungskampagne für so genannte "illegale AusländerInnen" und dem unbeschränkten Zugang für AusländerInnen zum Arbeitsmarkt und dem Sozialstaat auseinander. Jamal Karsli überzeugte durch biologische Logik. Der Mensch erneuere alle sechs Jahre seine Körperzellen. Somit sei unstrittig, dass man nach sechs Jahren Deutschlandaufenthalt ein Deutscher sei. [...]."
(gegenwind - 1, 2002)