Logo Eine Kampagne der KJG für mehr Toleranz

Dokumentation

3. Station Magdeburg - Eine Veranstaltung, die aus dem Rahmen fiel

Magdeburg
Magdeburg

Ein großer enjoy-the-difference-Aktionstag sollte es werden - am 19. Januar 2002 in Mageburg. Doch es kam alles anders: Die Veranstaltung der Diözesanverbände Magdeburg, Paderborn (www.kjg-paderborn.de), Hildesheim (www.kjg-hildesheim.de) und Berlin war komplett geplant, Ministerpräsident Dr. Reinhard Höppner und Bischof Leo Nowak hatten die Schirmherrschaft übernommen. Das Vorbereitungsteam hatte ein Programm auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen konnte. Geplant waren unter anderem Talkrunden mit PolitikerInnen und ExpertInnen, Infoangebote für BesucherInnen und am Abend ein Auftritt des Kabarettisten Bülent Ceylan (www.buelent-ceylan.de) und eine große KJG-Party.

Doch dannů geriet "enjoy" in den Schatten einer NPD-Demo!

Viele von euch haben es sicherlich mitbekommen. Der öffentliche Teil der zentralen Veranstaltung von "enjoy the difference" in Magdeburg musste kurzfristig abgesagt werden. Die NPD hatte für denselben Tag bundesweit zu einer Demonstration in Magdeburg aufgerufen, so dass die Sicherheit der jugendlichen TeilnehmerInnen nicht mehr jederzeit zu gewährleisten war. Auch im Vorbereitungsteam und in der Bundesleitung wurde ausgiebig das Für und Wider dieser Entscheidung diskutiert.

Nachdem klar war, dass die öffentliche Veranstaltung nicht stattfinden konnte, entschieden wir, einen "enjoy the difference"-Wochenende für die angemeldeten KJG´lerInnen zu veranstalten. Für die ca. 70 TeilnehmerInnen gab es ein spannendes Programm mit Workshops, Diskussionen mit LandespolitikerInnen, einem Gottesdienst mit Bischof Leo Nowak und natürlich der ultimativen KJG-Party. Unter diesen widrigen Umständen war das Wochenende dann doch noch ein voller Erfolg.

Pressemitteilung der KJG Bundesstelle zur Absage des Aktionstages in Mageburg:

Kein enjoy the difference-Aktionstag in Magdeburg
KJG sagt öffentliche Veranstaltung wegen NPD-Aufmarsch am 19. Januar ab

Magdeburg/Neuss, 17.01.2002

Die Veranstalter der Kampagne "enjoy the difference", der KJG-Diözesanverband Magedburg und der KJG-Bunderverband, haben den geplanten Aktionstag für mehr Toleranz am 19. Januar in Magdeburg abgesagt. Nach Bekanntwerden der NPD-Demonstration am selben Termin und anschließenden Beratungen mit der Magdeburger Polizei sieht die KJG ein unkalkulierbares Risiko für die TeilnehmerInnen ihrer Veranstaltung. Die KJG bedauert, angesichts der Sicherheitslage nicht anders entscheiden zu können, und weist auf den Aktionstag am 26. Januar in Düsseldorf und die Abschlusstagung am 01.-03. Februar in Berlin hin.

Nach eingehender Beratung haben KJG-Diözesanleitung Magdeburg und KJG-Bundesleitung entschieden, den Aktionstag zur Kampagne "enjoy the difference" am 19. Januar 2002 (kommender Samstag) in Magdeburg abzusagen. Mit diesem Aktionsstag wollte die KJG sich in der Öffentlichkeit stark machen für die Anliegen der Kampagne: einzutreten für eine bunte und offene Gesellschaft, in der Fremde als Bereicherung gesehen werden.

Leider hat sich nun die Situation in Magdeburg am 19. Januar 2002 grundlegend verändert, wie erst am Dienstag dieser Woche öffentlich wurde. Es wird an diesem Tag in der Magdeburger Innenstadt sowohl eine Demonstration der NPD, zu der bundesweit aufgerufen wurde, als auch eine oder mehrere Gegendemonstationen aus dem linken Spektrum geben. Nach Rücksprache mit den Beteiligten der Organisation des Aktionstages und der Polizei in Magdeburg hat die KJG entschieden, diese öffentliche Veranstaltung abzusagen, da das Sicherheitsrisiko sowohl für die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, als auch für die eingeladenen PolitikerInnen und Politiker nicht kalkulierbar und damit zu hoch ist. Für diese Entscheidung bittet die KJG um Verständnis.

Der Aktionstag in Magdeburg war geplant als eine der vier zentralen Veranstaltung der bundesweiten KJG-Kampagne für mehr Toleranz "enjoy the difference". Zentrale Veranstaltungen haben bereits stattgefunden in Mainz und Nürnberg, ein weitere startet am 26.01.02 in Düsseldorf. Daneben sind zahlreiche Aktionen von den einzelnen Diözesanverbänden sowie in den Orts-und Pfarrgruppen der KJG durchgeführt worden. Den Höhepunkt der Kampagne bildet die Abschlusstagung in Berlin vom 01.-03. Februar, bei der die von den Teilnehmern unterschriebenen Postkarten mit den Forderungen der Kampagne an verantwortliche PoltikerInnen übergeben werden.

Grußwort des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der KJG-Veranstaltung "enjoy the difference"!

Mit großer Freude habe ich die Schirmherrschaft über die dritte zentrale Veranstaltung der Kampagne der Katholischen Jungen Gemeinde "enjoy the difference" übernommen.

Ich freue mich sehr, dass die Initiatoren die Landeshauptstadt Magdeburg als Veranstaltungsort ausgewählt haben. Seit Jahren ist es ein besonderes Anliegen der Landesregierung, für mehr Toleranz zu werben und allen Tendenzen von Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken. Wir haben hierfür eigens eine "Koordinierungsstelle Weltoffenes Sachsen-Anhalt" in der Staatskanzlei eingerichtet und arbeiten mit vielen gesellschaftlichen Organisationen, Vereinen und den Kirchen zusammen. Auch im vergangenen Jahr fanden zahlreiche Veranstaltungen zu dieser Thematik in vielen Orten unseres Landes statt. Wir freuen uns über engagierte Mitstreiter. Wir freuen uns über die KJG.

Der Aktionstag der Katholischen Jungen Gemeinde reiht sich in diese Initiativen nicht nur ein, sondern er steht gleichsam für einen hoffnungsvollen Beginn des neuen Jahres. Dabei ist der Name der Kampagne zugleich Programm: "enjoy the difference"- Freude im Umgang mit Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, unterschiedlicher Kulturkreise, unterschiedlicher Religionen und Überzeugungen - weil wir darin eine Bereicherung für unser eigenes Leben entdecken können. Mit Freude und Fröhlichkeit aufeinander zu gehen, miteinander sprechen und - wie Sie es planen - gemeinsam feiern, genau das ist der Weg zu einem guten Miteinander.

In diesem Sinne wünsche ich den Initiatoren sowie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Magdeburger Treffens eine schöne und erlebnisreiche Veranstaltung, die über diesen Tag hinaus Ermutigung für die gemeinsamen Anstrengungen für mehr Toleranz in unserem Land bringen möge.

Herzlichst
Dr. Reinhard Höppner
Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt

Stimmen aus dem Verband:

"Alles in Ordnung? Nein wohl eher nicht! Aber wir haben uns nicht versteckt. Es war wichtig, "enjoy the difference" in Magdeburg stattfinden zu lassen, auch wenn die öffentlichen Elemente ausgefallen sind."

"Fragen über Fragen, Planungsstress, Verzweiflung ob dieser paradoxen Situation, ja Angst und Traurigkeit, dass es schon so weit ist in diesem Land. Früher hieß es: Kein Fuß breit den Rechten! Heute wäre man froh, wenigstens einen Fuß breit für sich zu haben. All dies zeigt, wie wichtig "enjoy" ist, denn im Kampf um die Köpfe haben wir eine Chance, auch wenn wir von der Straße vertrieben werden."

Pressestimme:

Freue dich über die Vielfalt - KJG Aktionstag

"Mit ihrer Teilnahme an Workshops und einer Podiumsdiskussion am 19. Januar ha-ben 70 interessierte junge Leute auf kleiner Ebene realisiert, was eigentlich unter dem Motto "enjoy the difference" als öffentlicher Aktionstag des Bundesverbandes der Katholischen Jungen Gemeinde geplant war, kurz zuvor jedoch wegen Kundgebungen der NPD und linker Gegendemos abgesagt wurde. [...]. Bei einem zunächst abgesagten Podiumsgespräch diskutierten die Landtagsabgeordneten Norbert Bischoff (SPD), Jürgen Scharf (CDU) und Petra Weiher (PDS) sowie der Initiator der Kampagne, "enjoy the difference", Martin Menzel, unter Moderation von Nadine Mersch, mit den jungen Leuten die Thematik. Am 20. Januar fand in der St.-Petri-Kirche ein Gottesdienst mit Bischof Leo Nowak statt. Der Bischof warnte die Teilnehmer davor, auf Menschen mit anderer Auffassung mit dem Finger zu zeigen. Zur Toleranz gehöre immer beides, so der Bischof, der eigene Standpunkt und die Kenntnis der Auffassung des Anderen."
(TAG DES HERRN (Magdeburg) vom 27.1. 2002)